Prostatakrebs – Wie entsteht er?

Das Prostatakarzinom ist in westlichen Industrienationen nach Hautkrebs die häufigste Krebsart bei Männern, in der Altersgruppe über 60 Jahren sogar die führende Diagnose. In Europa ist Prostatakrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache: Alles sechs Minuten stirbt ein europäischer Mann daran, das bedeutet mehr als 90.000 Todesfälle jährlich. In Österreich werden pro Jahr rund 4.500 bis 5.000 Neuerkrankungen verzeichnet, mehr als 1.100 Männer sterben daran – weit mehr als durch Verkehrsunfälle.

Veränderung der Prostata – Typische Männersache

Gutartige Gewebeveränderungen der Prostata entstehen bei fast jedem zweiten Mann ab dem 50. Lebensjahr. Diese werden auch als „gutartige Prostatavergrößerung“ bezeichnet. Eine ernsthafte Erkrankung besteht hier noch nicht. Jedoch zeigen sich unangenehme Begleiterscheinungen und Symptome. Eines der Symptome für eine solche Veränderung sind zunehmende Probleme beim Wasserlassen. Denn durch die zunehmende Größe der Prostata kann es zur Einengung der Harnröhre bzw. der Harnwege kommen. Diese liegen überkreuzt mit dem Samenweg in der Prostata. Mit diesem Zusammenhang kommen auch häufig Störungen beim Samenerguss vor. Ihr Urologe kann diese Beschwerden behandeln – Lebensfreude und Lebensqualität nehmen dann wieder zu.

Neben einer gutartigen Veränderung können auch bösartige Gewebeveränderungen der Prostata entstehen. Man spricht dann von Prostatakrebs oder medizinisch vom Prostatakarzinom. Prostatakrebs (Prostatakarzinom) entsteht, wenn sich die Zellen in der Prostata sehr schnell vermehren. Das heißt: Es bilden sich neue Zellen, ohne dass der Körper diese benötigt und ohne dass die alten Zellen absterben. Die zusätzlichen Zellen bilden eine Gewebemasse – den Tumor. Besitzen die Zellen die Fähigkeit, sich über das Gebiet in dem sie entstanden sind hinaus auszudehnen, ist der Tumor bösartig. Ein Prostatakarzinom wächst gewöhnlich langsam und kann jahrelang auf die Prostata beschränkt bleiben (lokaler Krebs). Dehnt sich der Tumor aus, kann er das umgebende Gewebe befallen und schädigen, oder auf andere Körperregionen übergreifen (Metastasen).

Risikofaktoren

Genetische Faktoren
Prostatakrebs tritt in verschiedenen Bevölkerungen in unterschiedlicher Häufigkeit auf (gering in Asien, höher bei farbigen als bei weißen US-Amerikanern, höher in Nordeuropa als in Südeuropa). Dies lässt einen Einfluss von Erbfaktoren vermuten, schließt aber andere Ursachen nicht aus (z.B. Umwelteinflüsse und Ernährung).

Ähnliches gilt für 10-20% der Prostatakarzinome, die gehäuft innerhalb von Familien vorkommen. So spricht man von einem familiären Prostatakarzinom, wenn mindestens zwei erstgradig Verwandte (Vater, Bruder, Sohn) oder ein erstgradig und zwei oder mehr zweitgradig Verwandte betroffen sind.

Solche Tumoren entstehen vermutlich durch das Zusammenwirken von genetischen Veränderungen und anderen Faktoren. Einige mögliche Gene wurden bereits identifiziert, andere Abschnitte des Erbguts und vor allem die Frage, warum sich selbst bei vorhandenen Genveränderungen nicht in jedem Fall Prostatakrebs entwickelt, werden noch untersucht.

Männer, deren Väter und/oder Brüder an Prostatakrebs erkrankt sind oder waren, haben ein mindestens doppelt so hohes Risiko, ebenfalls einen solchen Tumor zu entwickeln. Es steigt zudem umso mehr, je jünger, je enger verwandt und je zahlreicher die betroffenen Angehörigen sind oder waren.

Hormonelle Faktoren
Männliche Geschlechtshormone (Androgene) spielen beim Prostatakarzinom eine wichtige Rolle. So soll dieser Krebs nach Kastration vor der Pubertät (bei Eunuchen) nicht vorkommen und nach Kastration vor dem 40. Lebensjahr oder bei anderen Erkrankungen mit Störung der Androgenbildung nur sehr selten. Zudem kann die Absenkung der Androgene („Androgenentzug“) sowohl zu einer Schrumpfung der Prostata als auch zur Rückbildung von Prostatakrebs führen.

Ein weiterer Hinweis ist die relative Seltenheit von Prostatakrebs bei Asiaten (s. Häufigkeit des Prostatakarzinoms). Bei ihnen soll die Androgenbildung niedriger sein als bei Europäern und Nordamerikanern. Dies könnte genetisch bedingt sein, jedoch auch auf die Ernährung, Umwelteinflüsse oder andere, unbekannte Faktoren zurückgehen. Bislang sind noch zahlreiche Fragen offen, zum Beispiel ob Androgene Prostatakrebs verursachen können oder lediglich das Wachstum von aus anderen Gründen entstandenen Tumoren fördern.

Umwelteinflüsse und Ernährung
Bei Asiaten, die in die USA einwandern, steigt das Risiko für Prostatakrebs an, es ist in der nächsten Generation gleich hoch wie bei gebürtigen US-Amerikanern. Dies verdeutlicht den Einfluss von Umwelt und Ernährung, vielleicht nicht auf das Entstehen, aber zumindest auf das Wachstum des Prostatakarzinoms.

Unter den Umweltfaktoren gibt es möglicherweise auch solche mit einem positiven Effekt: Die natürliche UV-Strahlung der Sonne fördert die Bildung von Vitamin D in der Haut und soll so eine schützende Wirkung haben. Dies könnte das deutliche Nord-Süd-Gefälle der Häufigkeit von Prostatakrebs in Europa erklären. Ein Einfluss der Ernährung oder anderer Faktoren wäre jedoch ebenfalls denkbar.

Gesicherte Erkenntnisse zur Rolle der Ernährung liegen derzeit nicht vor. Das Prostatakrebsrisiko erhöhen könnten die vermehrte Zufuhr von Fleisch (v.a. rotem), Fett (v.a. tierischen, gesättigten Fetten), Milch, Milchprodukten und manchen Mikronährstoffen (z.B. Zink). Andere Nahrungsmittel wie Tomatenprodukte und Soja könnten es hingegen vermindern. Bezüglich Übergewicht gibt es widersprüchliche Daten.

Weitere Faktoren
Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Prostatakrebs ist unklar, vermutlich wirkt aber mäßige Bewegung vorbeugend. Rauchen und Alkoholkonsum scheinen das Entstehen eines Prostatakarzinoms nicht zu fördern, Rauchen jedoch dessen Fortschreiten (zu Bewegung, Rauchen und Alkohol s. auch Vorbeugung gegen Prostatakrebs).

Unfruchtbarkeit könnte zu einem Prostatakarzinom beitragen. Wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Prostatakrebsrisiko haben dagegen Vasektomie (Unterbrechung der Samenleiter, „Sterilisation“), Sexualverhalten, gutartige Prostatavergrößerung (benignes Prostatasyndrom), Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), Beruf und sozialer Status.

 

Quellen:

  • Cancer Research UK. Prostate cancer risk factors. http://info.cancerresearchuk.org/Accessed February 2008.
  • Parkin DM, Bray F, Ferlay J, Pisani P. Global cancer statistics, 2002. CA Cancer J Clin 2005;55(2):74–108.
  • The Prostate Cancer Charity. Symptoms. http://www.prostate-cancer.org.uk/Accessed February 2008.
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  • Pischon, T. et al. A., Partin, A. W. (2004): Vasectomy and Prostate Cancer. Reviews in Urology; 6:46-47.
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