Rehabilitation & Nachsorge

Prostatakrebs: Rehabilitation und Nachsorge

Patienten mit Prostatakrebs steht nach der ersten Therapie eine Reihe von Möglichkeiten offen, um Belastungen zu verarbeiten und Krankheits- und Therapiefolgen zu mindern. Dazu zählen zum Beispiel medizinische Rehabilitationsmaßnahmen, stationär in einem dafür geeigneten Krankenhaus oder ambulant von zu Hause aus. Die langfristig angelegte medizinische Nachsorge dient in der Folgezeit dazu, den Gesundheitszustand zu überwachen, Krankheits- oder Therapiefolgen zu behandeln und einen Rückfall oder eine Verschlechterung der Erkrankung zu erkennen.

Wann Reha, wann nicht?

Bei Patienten mit einem Prostatakarzinom ist der individuelle Bedarf an Rehabilitation nicht pauschal abschätzbar: Aus medizinischer Sicht hängt die Notwendigkeit einer “Reha” stark von der Therapie und ihren jeweils sehr unterschiedlichen Folgen ab. Was ein Betroffener selbst möchte, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Ob eine Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll ist, wie umfangreich sie sich gestaltet und welche Leistungsansprüche bestehen, lässt sich für stationär behandelte Patienten schon in der Klinik abklären, in einem Gespräch mit den behandelnden Ärzten. Sie können eine erste Einschätzung abgeben, mit welchen Krankheits- oder Therapiefolgen zu rechnen ist und welche Maßnahmen zur Linderung sinnvoll wären. Die Kliniksozialdienste stehen als Ansprechpartner zu den sozialrechtlichen Aspekten bereit und helfen bei Bedarf auch bei der Antragstellung.
Patienten, die überwiegend oder ganz ambulant behandelt werden, können – natürlich neben ihren behandelnden Ärzten – ihre Krankenversicherung wegen einer Reha-Maßnahme ansprechen.

Medizinische Nachsorge

Nach Operation oder Strahlentherapie und auch nach Einleitung einer antihormonellen Therapie werden regelmäßige Nachuntersuchungen durchgeführt. Dies ist auch dann wichtig, wenn der Tumor vollständig entfernt oder zerstört werden konnte und eine Heilung wahrscheinlich ist: Die Kontrollen dienen dazu, Nebenwirkungen der Behandlung zu besprechen und zu lindern sowie einen eventuellen Rückfall zu erkennen. Neben den tumorspezifischen Untersuchungen wird der Arzt daher immer nach dem allgemeinen Zustand fragen und nach körperlichen Problemen, die rund um die Erkrankung oder auch unabhängig davon aufgetreten sind. Die Fragen nach der Lebensqualität im Alltag und der psychologischen Krankheitsverarbeitung sowie das Gespräch über mögliche Unterstützung gehören zur Nachsorge ebenfalls dazu.

Ansprechpartner
Erster Ansprechpartner für die medizinische Nachsorge ist der behandelnde Urologe. Er überweist bei Bedarf für besondere Untersuchungen zu weiteren Fachärzten. Auch die Ambulanzen großer Kliniken, die sich auf die Behandlung von Prostatakrebs spezialisiert haben, können die Betreuung übernehmen. Patienten, die die Nachsorge in einem solchen Zentrum durchführen lassen möchten, sollten allerdings bedenken, dass diese die Funktion eines Hausarztes nicht übernehmen. Es kann also durchaus sinnvoll sein, über den Kontakt zu einer Spezialambulanz hinaus auch einen niedergelassenen Allgemeinmediziner oder hausärztlich tätigen Internisten in die Betreuung mit einzubeziehen: wegen während der Therapie eventuell auftretender anderer Erkrankungen, aber auch zur allgemeinen Betreuung und Vorsorge, für Impfungen etc.

Zeitliche Abstände
In welchen zeitlichen Abständen Patienten mit Prostatakrebs zu Nachkontrollen gehen sollten, ist in Österreich derzeit nicht in aktuellen Leitlinien festgelegt. Auch gehen die behandelnden Ärzte immer individuell vor: Die aktuelle medizinische Situation eines Patienten ist wichtiger als starr festgelegte Zeitpläne. Der folgende Überblick soll daher nur einige Anhaltspunkte vermitteln, die individuelle Beratung durch den Arzt ersetzt er nicht. Bei der Zusammenstellung haben wir uns an Leitlinien der Europäischen Urologischen Gesellschaft orientiert, die 2007 erschienen sind (www.uroweb.org).

Nachsorge nach Operation

Die europäischen Leitlinien empfehlen Patienten eine Kontrolle des prostataspezifischen Antigens PSA drei, sechs und zwölf Monate nach der radikalen Prostataoperation. Bleibt der Wert unauffällig, genügen in den folgenden drei Jahren Blutabnahmen in halbjährlichen Abständen, danach in jährlichem Abstand. Eine digital-rektale Untersuchung kann die PSA-Messung ergänzen.
Bleibt der PSA-Wert niedrig und haben Patienten keine Beschwerden, sind weitere Maßnahmen wie etwa der transrektale Ultraschall oder Biopsien des Operationsgebietes nicht notwendig. Eine Ausnahme stellen Knochenschmerzen oder neu aufgetretene vermeintliche “rheumatische” Beschwerden dar: Dann empfehlen die europäischen Leitlinien, ein Knochenszintigramm durchführen zu lassen, selbst wenn der PSA-Wert keine Anzeichen für ein Tumorwachstum bietet.

Nachsorge nach Prostatabestrahlung

Nach einer Strahlentherapie dauert es meist relativ lange, bis der Spiegel des prostataspezifischen Antigens im Blut deutlich abgesunken ist und seinen niedrigsten Wert erreicht hat. Trotzdem sind regelmäßige Kontrollen wichtig: Steigt der Wert nur an, anstatt zu schwanken, oder werden die Werte sehr viel höher als der einmal erreichte tiefste PSA-Spiegel (“Nadir”), läge der Verdacht auf einen Rückfall nahe. Für bestrahlte Patienten mit einem Prostatakarzinom nennen die europäischen Leitlinien von 2007 als Nachsorgeabstände drei, sechs und zwölf Monate, danach kann der Abstand bei beschwerdefreien Patienten größer werden: halbjährlich in den ersten drei Jahren, danach genügen jährliche Kontrollen.

Wichtiges Thema beim Nachsorgetermin ist die Frage nach Beschwerden und Nebenwirkungen der Therapie. Trotz der Unsicherheiten bezüglich des PSA-Wertes haben andere Untersuchungsverfahren in der Nachsorge nur einen untergeordneten Stellenwert. Dazu gehört beispielsweise die digital-rektale Untersuchung (DRU), die Abtastung des bestrahlten Prostatabereichs vom Enddarm aus. Sie ist möglich und auch ohne großen Aufwand durchführbar, allein aber nicht ausschlaggebend für einen Befund: Für den Arzt ist es oft nicht leicht, neu aufgetretene verdächtige Veränderungen von narbigem Gewebe zu unterscheiden.
Hat ein Patient Schmerzen oder andere auffällige Beschwerden, kann ein Knochenszintigramm sinnvoll sein. Als Routineuntersuchung bei normalem PSA-Wert macht es hingegen keinen Sinn. Ähnliches gilt für andere Untersuchungsverfahren: Sie sollten nur bei Beschwerden oder Verdacht auf einen Rückfall eingesetzt werden.

Nachsorge bei Hormonbehandlung

Die ärztliche Betreuung für Patienten unter einer hormonellen Therapie soll dazu beitragen, das Ansprechen auf die Behandlung zu überwachen, Nebenwirkungen zu lindern und Krankheitsfolgen nach Möglichkeit so rechtzeitig zu erkennen, dass sie die Lebensqualität der Patienten nicht oder möglichst wenig beeinträchtigen. Bei den Nachsorgeuntersuchungen spielen die Bestimmung des PSA-Wertes und die Frage nach Beschwerden die wichtigste Rolle. Auch die Tastuntersuchung von Enddarm aus gehört dazu. Da einige Medikamente das Blutbild oder die Leberfunktion beeinflussen können, sind zudem weitere Bluttests erforderlich; auch die Überwachung von Knochenmetastasen macht unter Umständen bestimmte Labortests erforderlich.

Regelmäßige Knochenszintigramme, Röntgen oder Ultraschall sind bei beschwerdefreien Patienten allerdings nicht unbedingt erforderlich: Der PSA-Wert zeigt in der Regel verlässlicher an, ob mit einem Krebsbefall der Knochen oder einem Fortschreiten der Erkrankung zu rechnen ist. Diese einzelnen Untersuchungsverfahren sind im Kapitel Diagnostik erläutert.

Wie oft ein Patient zur Nachsorge gehen sollte, hängt von individuellen Faktoren ab, pauschale Empfehlungen gibt es daher nur bedingt. Ist ein Patient auf die antihormonelle Therapie erst einmal gut eingestellt, sind Abstände von jeweils drei Monaten für Kontrolluntersuchungen üblich. Patienten, die Antiandrogene als zweite Stufe einer Hormontherapie erhalten, sollten eventuell öfter zum Arzt gehen. Treten Schmerzen oder andere ungewohnte Symptome auf, macht es keinen Sinn, bis zum nächsten regulär vereinbarten Termin zu warten – der Besuch beim Arzt sollte möglichst bald erfolgen. Die dann notwendigen Untersuchungen orientieren sich an den auftretenden Beschwerden. Patienten, deren Erkrankung nicht mehr auf Hormone anspricht, brauchen eine individuelle Betreuung und engen regelmäßigen Kontakt zum Arzt.