Leben mit der Erkrankung

Leben mit Krebs: Das Wichtigste in Kürze

Die meisten Patienten mit Prostatakarzinom sind Jahre nach der Diagnosestellung noch am Leben! Doch wie gestaltet sich der Alltag nach der Diagnose Krebs, auch wenn die Aussichten auf Heilung gut sind? Welche Probleme kommen auf Patienten zu, deren Erkrankung zwar nicht geheilt, aber wirksam in Schach gehalten werden kann? Was können betroffene Männer selbst tun?

In den ersten Monaten stehen oft belastende Behandlungsfolgen im Vordergrund, insbesondere Inkontinenz und Impotenz. Die Nebenwirkungen einer hormonellen Therapie erleben Patienten unterschiedlich: Einige kommen mit dem Hormonentzug gut zurecht. Andere leiden unter zwar harmlosen, aber unangenehmen Beschwerden wie etwa Hitzewallungen.
Bis eine Krebserkrankung mit all ihren Folgen auch unter psychosozialen Aspekten verarbeitet ist, dauert es meist einige Zeit, wie lange, ist individuell verschieden. Auch die Angst vor einem Rückfall kann sich auf die Lebensqualität auswirken.

Der Wunsch, selbst aktiv zu werden und möglichst viel für die eigene Gesundheit zu tun, ist nachvollziehbar. Doch ob zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung, Nahrungsergänzungen oder Sport und Bewegung das Rückfallrisiko tatsächlich senken können, gilt aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht als belegt.

Psychologische Aspekte: Zum Alltag zurückkehren

Nach der Diagnose einer Krebserkrankung setzen sich fast alle Betroffenen mit einer Vielzahl von Gefühlen und Gedanken auseinander. Die Erkrankung wird oft als massiver Einschnitt erlebt: alles bisher Gewohnte und viele zukünftigen Ziele scheinen in Frage gestellt. Die Angst vor einem Rückfall oder dem Fortschreiten der Erkrankung belastet, an manchen Tagen weniger, an manchen mehr. Auch die Behandlungsfolgen, besonders die Einschränkungen der Sexualität oder Inkontinenz, können Auswirkungen auf Selbstverständnis und Selbstwertgefühl bei Prostatakrebspatienten haben.
Die Bewältigung solcher Krankheitsfolgen braucht Zeit, eigenen Willen und eine verständnisvolle Umwelt. Wie Betroffene die Auseinandersetzung mit den psychischen Aspekten einer Krebserkrankung meistern können, was man gegen belastende Angst tun und worauf es beim Thema Lebensqualität ankommt, haben wir im Kapitel “Ich bin Angehöriger” zusammengestellt. Diese Informationen richten sich ausdrücklich auch an Angehörige, die von einer Krebserkrankung in der Familie zwangsläufig immer mitbetroffen sind.

Lebensstil, Ernährung, Bewegung

Mit Messer und Gabel gegen Krebs vorgehen und durch täglichen Sport Metastasen verhindern? Zwar trägt der individuelle Lebensstil viel zum gesundheitlichen Allgemeinzustand bei: Wer körperlich fit ist, kein deutliches Übergewicht hat und nicht raucht, erholt sich nach einer Operation schneller und verkraftet auch andere belastende Therapien besser.

Was Patienten mit Prostatakarzinom hilft, tatsächlich auch ihr Rückfallrisiko zu senken, ist dagegen weit weniger klar: Bisher ist zum Beispiel nicht einmal die Rolle ernährungsbedingter Risikofaktoren bei der Entstehung dieser Tumorart schlüssig belegt. Noch weniger gesichertes Wissen existiert zur Frage, wie man eine bereits bestehende Erkrankung beeinflussen kann. In Studien wird unter anderem der Zusammenhang zwischen Rückfallrisiko und Gewicht untersucht, auch zu Fragen der Ernährung und Bewegung gibt es sehr viel Forschung. Erste Studienergebnisse zu Prostatakrebs zeigen, dass sich bei Patienten mit Prostatakrebs, die Prognose verbessern könnte, wenn sie sich regelmäßig bewegen. Allgemein anerkannte, durch wissenschaftliche Studien gesicherte Empfehlungen, Prostatakrebspatienten sollten dies tun oder jenes lassen, existieren bisher jedoch nicht. In Selbsthilfegruppen oder in Internetforen wird dies zurzeit oft ganz anders dargestellt: Dort werden vermeintliche Expertenempfehlungen zitiert, dieses Lebensmittel unbedingt zu meiden und dafür ein anderes möglichst täglich mehrmals zuzubereiten, Vitamine in hohe Dosen zu konsumieren und insgesamt unbedingt auf Nahrungsergänzung oder Krebsdiäten zu setzen.

Nahrungsergänzung, Krebsdiäten
Inwieweit hier die Angst vor der Erkrankung der wesentliche Ratgeber ist, oder die vermeintlich “wissenschaftliche” Aufmachung vieler werbender Angebote den kritischen Blick trübt, lässt sich nur schwer beurteilen. Dass Diäten mit viel Kurkuma, Produkte mit Granatapfel, “Heilpilzen” usw. oder hoch dosierte Vitamine und Mineralstoffe tatsächlich helfen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Die meisten sehr populären Produkte sind nicht einmal echte Arzneimittel, sondern so genannte Nahrungsergänzungsmittel, die rechtlich kaum einen anderen Stellenwert als normale Lebensmittel auch haben. Für einige Stoffgruppen sind selbst Risiken nicht auszuschließen: Vor allem die viel gepriesenen Vitamintabletten können unter Umständen die Sterblichkeit sogar bei Gesunden steigern. Auch von mehr oder weniger rigorosen Krebsdiäten halten viele Experten nichts: Die meisten wurden nie in Studien überprüft, einige zeigten sich als gefährlich.

Bewegung & Sport
Noch vor wenigen Jahren riet man Krebspatienten, sich während und nach einer Krebsbehandlung körperlich zu schonen. Heute sind sich die Experten einig: Krebspatienten profitieren in fast jeder Krankheitssituation davon, körperlich aktiv zu sein oder sich sportlich zu betätigen. Die heute bekannten Vorteile von Bewegung: Man verringert das Risiko für viele mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen. Wer sich bewegt, fühlt sich seltener erschöpft und bleibt meist leistungsfähiger. Bei vielen Patienten hat der Krankheit und der Behandlung angemessene körperliche Aktivität zudem einen positiven Einfluss auf die Lebensqualität. Ob Bewegung oder Sport während oder nach einer Krebstherapie geeignet sind, sollte man aber immer mit dem Arzt besprechen: Pauschalrezepte, wie viel wer wann leisten sollte, gibt es nicht. Wichtig ist auch, worauf man selbst Lust hat und was Spaß macht.