Ansätze zur Hilfe

Mit Schwierigkeiten umgehen: Welche Strategien gibt es?

Allgemeine Hinweise können individuellen Schwierigkeiten nicht immer gerecht werden. Trotzdem gibt es Empfehlungen, die nach Ansicht von Fachleuten bei der gemeinsamen Bewältigung einer Krebserkrankung helfen können.

Informationen: Mehr wissen, weniger Angst haben

Wenn Angehörige helfen wollen, benötigen sie Hintergrundinformationen. Welche Informationen ihnen konkret von Nutzen sind, ist bisher nur teilweise wissenschaftlich untersucht worden. Vorliegende Studien deuten aber beispielsweise an, dass Paare weniger unsicher sind, wenn sie wissen, wo sie Informationen zu für sie wichtigen Fragen erhalten. Erste Ansprechpartner für enge Angehörige können die behandelnden Ärzte sein, die mit den Einzelheiten von Erkrankung und Behandlung vertraut sind. Wenn der Betroffene einverstanden ist, können nahe Verwandte oder andere Vertrauenspersonen auch mit zu Arztterminen kommen. Ist das nicht möglich, können Angehörige auch selbst den Kontakt zu Medizinern suchen, sollten dies aber nicht über den Kopf des Patienten hinweg tun. Aufgrund ihrer Schweigepflicht dürfen Ärzte außerdem nur Auskunft an Dritte geben, wenn die Patienten dem ausdrücklich zustimmen.
Viele Angehörige und Freunde sind bei Auskünften zur individuellen Situation, etwa zur persönlichen Prognose, auf die Informationen angewiesen, die sie bei Besuchen und in Gesprächen von den Betroffenen erhalten. Informationen aus Broschüren, Büchern, dem Internet, von Beratungsstellen oder auch dem Krebsinformationsdienst können nur einen allgemeinen Rahmen bieten, trotzdem können solche Quellen für Angehörige wertvolle Unterstützung bieten.

Miteinander sprechen: Bedürfnisse aussprechen, sich verstehen

Zum konkreten Nutzen von Gesprächen zwischen den Beteiligten gibt es kaum Forschungsarbeiten. Offene Gespräche fördern allerdings das gegenseitige Verständnis. Es lohnt sich nach Ansicht von Fachleuten, regelmäßig Zeit und Raum für Unterhaltungen zu schaffen. Inhaltlich können sich Angehörige und Patienten etwa über ihre Beziehung, aber auch über die Erkrankung austauschen. Unter Umständen sind Angehörige unsicher, was ein Patient benötigt. Direkte Nachfragen helfen hier weiter. So sind manche Patienten während der Chemotherapie überempfindlich gegenüber Gerüchen. Das erfahren Angehörige nur im Gespräch, und erhalten so die Möglichkeit, Rücksicht zu nehmen. Wenn nötig, kann professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden, beispielsweise in einer psychosozialen Krebsberatungsstelle.

Leben ist mehr als Krebs: Der Krankheit nicht alles unterordnen

Krebspatienten sind nicht nur krank. Es kann allen Beteiligten gut tun, wenn sie der Erkrankung nicht mehr Raum als nötig geben.
Angehörige können dazu beitragen, dass sich Patienten ihren gesunden Seiten zuwenden. Wenn Angehörige und Patienten miteinander über gute Zeiten sprechen, kann das Kraft geben und von der augenblicklichen Last befreien.

Gut für beide Seiten: Achtung und Respekt bewahren

Vielen Patienten tut es gut, wenn man sie entlastet, versorgt und pflegt. Doch das ist auf Dauer nicht immer notwendig und auch nicht gewünscht: Wer Betroffenen alles abnimmt, neigt leicht dazu, ihre Bedürfnisse zu übergehen und auch einmal zu viel zu tun. Experten empfehlen, gewohnte Aufgaben und Abläufe in Familie und Freundeskreis so normal zu belassen, wie es die Situation erlaubt. Patienten können sich so gebraucht und dazugehörig fühlen. Und Angehörige können ihre Kräfte auf das Wesentliche konzentrieren. Allerdings ist dieser Hinweis im Alltag nicht immer leicht zu befolgen. Was Erkrankte an Alltagsaufgaben übernehmen können, wechselt und hängt von Therapie und Krankheitsverlauf ab. Das erschwert eine zuverlässige Übernahme von Aufgaben: Wer sich morgens noch gut gefühlt hat, kann manchmal erst im Lauf des Tages spüren, dass die Kraft doch nicht für alles Vorgesehene reicht. Von allen Beteiligten erfordert das Flexibilität. Wissenschaftliche Studien zeigen allerdings auch: Wer als Angehöriger immer im Einsatz ist, keine Ruhepausen mehr hat, kann an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen. Daher sollte man sich rechtzeitig Auszeiten und Unterstützung schaffen.

Hilfe von anderen: Angehörige dürfen Unterstützung annehmen

Die Betreuung eines Krebskranken kann viel Zeit und Kraft in Anspruch nehmen. Berufliche und private Verpflichtungen bleiben für Angehörige oder nahe Freunde aber trotzdem bestehen. Nicht selten nehmen sie sogar zu, beispielsweise wenn in einer Familie bisher zwei verdient haben, und nun der gesunde Partner allein für die finanzielle Sicherheit sorgen muss. Eigene Interessen können ebenso zu kurz kommen wie Gelegenheiten zur Entspannung. Das kann Angehörige überfordern. Sie sollten deshalb nicht alles allein schultern wollen. Aufgaben an hilfsbereite Menschen zu übertragen, kann mehrere Vorteile haben. Auch die anderen miteinbezogenen Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn können ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen und fühlen sich weniger hilflos. Bei der Überlegung, wer welche Aufgaben übernehmen könnte, sollten Patienten aber einbezogen werden.
Viele Krebspatienten machen die Erfahrung, dass sich der Kreis von Freunden und guten Bekannten nach der Diagnose ändert. Manche Freunde melden sich seltener, als man eigentlich erwartet. Das ist oft enttäuschend. Dafür werden andere Beziehungen intensiver. Manchmal entstehen neue Kontakte zu Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Wer entsprechende Kontakte sucht, kann sich zum Beispiel an Selbsthilfe-Gruppen wenden.

Auf sich selbst achten: Auf die eigenen Bedürfnisse hören

Angehörige verlieren leicht ihre eigenen Belange aus den Augen. Um dieser Gefahr zu begegnen, braucht es regelmäßige persönliche Auszeiten. Was kann Angehörigen helfen? Damit Angehörige in der Lage sind, Krebspatienten zu unterstützen, ist es notwendig, dass sie sich auch um sich selbst kümmern. Dazu kann beitragen:

  • In Kontakt mit den eigenen Freunden bleiben, sofern sich die Möglichkeit bietet; sich etwas suchen, das Spaß macht, kurz: Darauf achten, was man selbst braucht.
  • Sich selbst eine Pause gönnen – selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist.
  • Wem es schwer fällt, Pausen in den Tagesverlauf einzubauen, kann sich wenigstens andere Belohnungen genehmigen: Die Lieblingssendung im Fernsehen sehen, ein Bad nehmen, ein gutes Buch am Abend lesen.
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